
Edgar Spieler, Director Public & Innovation, von Rundstedt
Expats sind bestens qualifizierte Arbeitskräfte. Nach einer Entlassung gehören sie jedoch zu den Risikogruppen im Arbeitsmarkt. Welche Programme der Unternehmen sind erforderlich, um die Employability der Expats zu stärken? Und weshalb profitieren die Unternehmen davon?
Warum sind Expats eine Risikogruppe im Arbeitsmarkt? Sie sind gut bis sehr gut qualifizierte Arbeitskräfte, die Unternehmen aufgrund ihrer Expertise in die Schweiz holen. Im Gegensatz zu den Hochschulabsolventinnen und -absolventen verfügen sie über berufliche Erfahrung. Ausserdem beweisen sie eine hohe geografische Mobilität und die Bereitschaft, sich in einem neuen Arbeitsumfeld, in einem neuen Kulturraum zu engagieren.
Doch die Zunahme von Reorganisationen aufgrund von künstlicher Intelligenz, Handelskonflikten, geopolitischen Auseinandersetzungen sowie die konjunkturell angespannte Situation reduzieren die Jobsicherheit auch der Expats.
Herausforderungen der Expats
Wenn Expats ihren Job verlieren und das Unternehmen verlassen müssen, kann gerade ihre geografische Mobilität zum Risiko werden und sie vor besondere Herausforderungen stellen. Geringe Kenntnisse der Landessprachen werden zur Barriere. Der Anteil der Unternehmen mit ausschliesslich englischer Arbeitssprache ist überschaubar; ohne vertiefte Kenntnisse in Deutsch oder Französisch reduzieren sich die Möglichkeiten im Arbeitsmarkt. Ein kleines Netzwerk mit wenig belastbaren Kontakten erschwert den Zugang zu Informationen über interessante Arbeitgebende und Jobs im verdeckten Arbeitsmarkt. Doch genau mit dem Aufbau eines lokalen Netzwerks und dem Schliessen von Freundschaften tun sich Expats in der Schweiz schwer. In Befragungen werden diese Punkte regelmässig moniert. Sie führen ausserdem dazu, dass Expats den Aufenthalt in der Schweiz manchmal frühzeitig abbrechen, weil sie oder die Partnerin, der Partner sich im neuen Umfeld nicht integriert fühlen.
Schliesslich sollten sich Expats auch frühzeitig mit der Frage auseinandersetzen, ob sie im Falle eines Jobverlustes in der Schweiz bleiben oder auch im internationalen Arbeitsmarkt suchen wollen. Dazu muss das Risiko des Jobverlustes realistisch eingeschätzt werden können. Doch Expats reagieren immer wieder überrascht, dass im liberalen Schweizer Arbeitsmarkt kaum Hürden für eine Kündigung bestehen.
Programme der Unternehmen
Der demografische Wandel führt zu einer deutlichen Verknappung inländischer Fachkräfte. Viele Unternehmen sind darum verstärkt auf Expats angewiesen. Da die Demografie auch in den umliegenden Ländern zu Engpässen auf dem Arbeitsmarkt führt, wird sich die Konkurrenz unter den Arbeitgebenden um die begehrten Talente verschärfen. Die Stärkung der Employability der Expats im Arbeitsmarkt kann zu einem zentralen Hebel werden, um Expats zu gewinnen und an den Arbeitgeber zu binden.
Mögliche Programme sind berufsbegleitende Sprachtrainings, um innert nützlicher Frist das erforderliche Level in Deutsch oder Französisch zu erreichen, Formate zum Netzwerkaufbau innerhalb des Unternehmens wie Lunch-Talks oder Communities of Practice (von denen nicht nur Expats profitieren) sowie Branchenevents, Meet-ups und andere Veranstaltungen zum Netzwerkaufbau ausserhalb des Unternehmens.
Die Arbeitsmarktbehörden bieten Informationen zum Leben und Arbeiten in der Schweiz an, und entsprechende Veranstaltungen für Expats können in einigen Kantonen auch mit den Integrationsfachstellen durchgeführt werden.
Grössere Unternehmen können zudem Dual Career Services in Betracht ziehen, da bei Expats oft auch die Partnerin oder der Partner über relevante berufliche Ambitionen verfügt. Und schliesslich sollen auch Expats sich auf einen möglichen oder absehbaren nächsten beruflichen Schritt vorbereiten können und bei der Erarbeitung lokaler oder internationaler Karriereszenarien unterstützt und begleitet werden.
Durch die Stärkung von Sprachkenntnissen, lokalen Netzwerken und die Entwicklung von Karriereperspektiven können Unternehmen die Employability der Expats im Arbeitsmarkt und ihre Attraktivität als Arbeitgebende stärken. Es profitieren beide Seiten.
Wir brauchen Ihre Meinung!
Studie Employability und Risikogruppen: Welche Herausforderungen sehen Sie bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen, Expats nach einer Kündigung, Personen mit mentalen Problemen und älteren Beschäftigten? Was sind die Strategien Ihres Unternehmens? Wir interessieren uns für Ihre Einschätzung als HR-Professional und Führungskraft. Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, benötigen wir Antworten aus allen Branchen, Unternehmensgrössen und Landesteilen. Die Umfrage wird in der ganzen Schweiz bis August durchgeführt.
Weitere Artikel zur Studie folgen in den nächsten Ausgaben von «HR Today». Die Studienergebnisse werden ab Oktober in den Medien und an von Alixio organisierten und durchgeführten Events in Zürich, Basel, Genf, Lausanne und Lugano präsentiert. Bitte verfolgen Sie unser Projekt auf research.hrtoday.ch und im Magazin.