
Edgar Spieler, Director Public & Innovation, Alixio Group Switzerland
Psychische Beeinträchtigungen sind auf dem Vormarsch. Betroffen sind besonders die Jungen und Personen mittleren Alters. Welche Herausforderungen stellen sich für die Unternehmen? Was können sie zur Stärkung der mentalen Gesundheit und Resilienz tun?
Psychische Beeinträchtigungen nehmen zu. Sie sind ein wesentlicher Grund für den Anstieg der gesundheitsbedingten Absenzen in Unternehmen. Auch bei den Invalidisierungen steigt der Anteil aufgrund von psychischen Krankheiten; besonders bei den Jungen und Personen im mittleren Alter.
Die Produktionsverluste aufgrund von psychischen Belastungen und Krankheiten sind im Jahr 2022 auf rund 12 Milliarden Franken pro Jahr angestiegen. Allein die stressbedingten Kosten belaufen sich je nach Schätzung auf ein Drittel bis zur Hälfte dieses Betrags. Doch was bedeutet diese Entwicklung für die Unternehmen?
Herausforderung mentale Gesundheit
Die Zunahme der psychischen Beeinträchtigungen ist nicht allein auf die Arbeitswelt zurückzuführen. Als weitere Ursachen werden soziale Medien und KI, globale Risiken, aber auch eine Enttabuisierung psychischer Leiden diskutiert. Rund 20 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schätzen sich als mittel bis stark psychisch belastet ein.
Die Unternehmen müssen davon ausgehen, dass bei einem erheblichen Anteil ihrer Beschäftigten die Leistungsfähigkeit reduziert und das Absenzrisiko erhöht ist. Dieses Problem akzentuiert sich im Zuge des demografischen Wandels, der das Arbeitskräfteangebot kontinuierlich verknappt. Gemäss der von der AXA in Auftrag gegebenen KMU-Arbeitsmarktstudie 2026 zählt für 41 Prozent der KMU der Arbeitskräftemangel zu den grössten Herausforderungen. Gleichzeitig berichten 42 Prozent der KMU, dass die Personalausfälle in den letzten fünf Jahren angestiegen sind. Vermehrte Restrukturierungen und die Veränderungen aufgrund der künstlichen Intelligenz werden zusätzliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Beschäftigten stellen. Dabei wird entscheidend sein, wie diese Veränderungen von den Unternehmen geführt, kommuniziert und wie sie von den Mitarbeitenden erlebt werden.
Möglichkeiten der Unternehmen
Um die Wettbewerbsfähigkeit und die Personalressourcen der Unternehmen zu sichern, ist es unerlässlich, die Resilienz der Mitarbeitenden und gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen aktiv zu fördern.
Die Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle: Wertschätzung und psychologische Sicherheit sowie Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten fördern nachweislich das Wohlbefinden und reduzieren Belastungen und Absenzen. Vielleicht bieten gerade auch KI-Projekte Chancen, die Arbeit anders zu gestalten und Belastungen zu reduzieren?
Trainings für Mitarbeitende oder Teams in Resilienz und Stressmanagement erweitern die eigenen Handlungsmöglichkeiten und fördern die Selbstverantwortung. Resilienz wird auch als das «Immunsystem der Seele» bezeichnet. Damit wird deutlich, dass diese Ressource gezielt gestärkt werden kann.
Einzelne Mitarbeitende zu befähigen, psychische Probleme von Kolleginnen und Kollegen frühzeitig zu erkennen und empathisch anzusprechen, schafft ein wirkungsvolles Präventionsnetzwerk im Unternehmen. ensa, der Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit, vermittelt das notwendige Know-how.
Eine Analyse der Absenzen sowie eine Befragung zu Stress, Arbeitsbelastung und Konflikten bei der Arbeit tragen dazu bei, Ausmass und Ursachen psychischer Belastungen zu erkennen, die Aufmerksamkeit des Managements zu gewinnen und den Business Case zu schärfen.
Die Massnahmen und Verhaltensweisen zur Förderung und Erhaltung der mentalen Gesundheit sind weder zeitaufwendig noch teuer. Der Nutzen für die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden kann aber kaum hoch genug eingeschätzt werden.
Wir brauchen Ihre Meinung!
Studie Employability und Risikogruppen: Welche Herausforderungen sehen Sie bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen, Expats nach einer Kündigung, Personen mit mentalen Problemen und älteren Beschäftigten? Was sind die Strategien Ihres Unternehmens? Wir interessieren uns für Ihre Einschätzung als HR-Professional und Führungskraft. Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, benötigen wir Antworten aus allen Branchen, Unternehmensgrössen und Landesteilen. Die Umfrage wird in der ganzen Schweiz bis August durchgeführt.
Weitere Artikel zur Studie folgen in den nächsten Ausgaben von «HR Today». Die Studienergebnisse werden ab Oktober in den Medien und an von Alixio organisierten und durchgeführten Events in Zürich, Basel, Genf, Lausanne und Lugano präsentiert. Bitte verfolgen Sie unser Projekt auf research.hrtoday.ch und in «HR Today».